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BioÖkonomie 2030

ZGO Capacity Building

Was ist Bioökonomie? Bundesregierung setzt auf bio-basierte Industrie.

Artikel 12/2014 von Dr. Steffi Ober

Bioökonomie wird definiert als Summe der Sektoren und Dienstleistungen, die biologische Ressourcen wie Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen nutzen. Um einen Paradigmenwechsel von der erdölbasierten zur pflanzenbasierten Zukunft zu ermöglichen, wurde ein Bioökonomierat eingerichtet.

Bioökonomie wird definiert als Summe aller industriellen und wirtschaftlichen Sektoren, die biologische Ressourcen wie Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen nutzen. Dies stellt einen Paradigmenwechsel von einer erdöl- zur einer pflanzenbasierten Wirtschaft dar. Ähnlich wie in der Energiewende sind auch hier noch viele technische Probleme ungelöst. Deshalb wurde ein großes Forschungsförderprogramm aufgelegt mit dem Namen „Bioökonomie 2030“. Das Fördervolumen beträgt 2,4 Milliarden Euro über sechs Jahre. Die Bundesregierung setzt auf einen „ Strukturwandel von einer erdöl- hin zu einer bio-basierten Industrie (...), der mit großen Chancen für Wachstum und Beschäftigung verbunden ist. Zugleich soll auf diesem Wege international Verantwortung für die Welternährung, die Rohstoff- und Energieversorgung aus Biomasse sowie für den Klima- und Umweltschutz übernommen werden.“ 

Eine Technologieinitiative kommt nicht ohne Forschungs- und Innovationsleistungen aus, die darauf ausgerichtet sind, denabsoluten Verbrauch an nachwachsenden Rohstoffen in Europa und für dieeuropäische Exportwirtschaft zu reduzieren. Dieses Ziel verfolgt Europa mit der Europa-2020-Strategie und dem Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa. Eine reine Umstellung auf eine biobasierte Wirtschaft läuft dem komplett entgegen.

Allerdings lässt die Bundesregierung offen, wie sie Internationale Verantwortung für die Ernährung und Biodiversität zusichern kann. Erforderlich dazu wäre ein internationales Regime, das einen fairen und gerechten Prozess zur Sicherung der Interessen der heute und in Zukunft lebenden Menschen in globalem Maßstab garantiert. Ein solches Regime ist jedoch nicht in Sicht. Stattdessen überträgt die Bundesregierung die Ausgestaltung dieses Politikfeldes einem Expertengremium aus Wirtschaft und Wissenschaft, dem Bioökonomierat. Vertreter des Umwelt- oder Verbraucherschutzes in diesem Gremium sowie eine Debatte im Bundestag und der Öffentlichkeit über Ziele und Leitlinien der Bioökonomie sucht man vergebens.

Die Transformation der Gesellschaft in ein Zeitalter ohne Öl und fossile Energien ist mehr als ein einfacher Wechsel des Kohlestofflieferanten für die Industrie. Natur und Umwelt, Ernährung und Landschaftsgestaltung sind gleichermaßen betroffen. Dies führt zwangsläufig zu Zielkonflikten. Die Vertreter dieser gemeinwohlorientierten Interessen müssen deshalb gleichberechtigt in die Gestaltung der Bioökonomiestrategie einbezogen werden.

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